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Hanf - legal in Sursee. Im Gespräch mit Jasmin und Roman von Green Inca (CBD-Shop).

Aktualisiert: 10. Juni 2019




Bruno Raffa: Bietet ihr mir zum Interview einen Joint an?


Jasmin und Roman: Sehr gerne. Einen ganz legalen CBD-Joint, die werden wir heute um 16.20 Uhr gratis verteilen.



B: Ihr feiert heute “Fourtwenty 4/20”. Was hat es damit auf sich?


J+R: 4/20 ist der internationale Tag des Hanfs - nämlich der 20. April. An diesem Tag treffen sich weltweit Anhänger der Hanfkultur auf öffentlichen Plätzen und rauchen um 16.20 Uhr gemeinsam einen Joint.

Die Legende erzählt von einer Gruppe von Jugendlichen in Kalifornien. Sie trafen sich regelmässig nach der Schule um Punkt 16.20 Uhr, oder eben 4.20 pm, um eine Cannabis-Plantage im Umland zu finden. Ihren Vorhaben gaben sie den Codenamen „4:20“. Die Jugendliche fanden die Plantage nie, was sie aber nicht vom Konsum von Marijuana abhielt. Nachdem sie die Suche nach mehreren Versuchen aufgegeben hatten, wurde „4:20“ zum Codewort für das Rauchen von Marijuana um 16:20 Uhr.

Das Hanf-Magazin "High Times" schnappte den Begriff auf und seither wird Fourtwenty für die Identifizierung der Hanf-Kultur verwendet.



B: Heute ist ja der 20. April und ihr feiert ein Jubiläum?


J+R: Unser Shop “Green Inca Sursee” feiert das einjährige Bestehen und das passt natürlich perfekt zu 4/20 und zu einer kleinen Feier.




B: Das bedeutet also: seit einem Jahr gibt es legalen Hanf in Sursee.


J+R: Genau. Aber es gibt schon länger auch Hanf am Kiosk und bei diversen Grossverteilern.



B: Wie seid ihr auf die Idee mit einem Hanf-Laden gekommen? Seid ihr Kiffer?


R: Natürlich habe ich in meiner Jugend auch mal einen Joint geraucht. Aber das war nicht der Grund. Wir haben die Leute vom Green Inca Shop in Zürich kennengelernt und die Idee von einem eigenen CBD-Laden in Sursee hat uns seither nicht mehr losgelassen.


J: Ich wäre ehrlich gesagt nie auf die Idee gekommen. Ich wuchs mit dem Glauben auf, dass Marijuana zu rauchen etwas ganz Schlimmes sei. Und ich war ein ganz vernünftige Jugendliche. Als Roman Mitte Dezember 2017 ins Schwärmen kam, fing ich an, mich über das Thema Hanf zu interessieren und war begeistert, was diese Pflanze für ein Potenzial hat. Zwei Wochen später bekamen wir die Zusage für diesen hübschen Laden, an diesem wunderschönen Mühleplatz und so kam alles sehr schnell ins Rollen. Am 21. April eröffneten wir Green Inca.





B: Wie hat sich das vergangene Jahr entwickelt? Die Konkurrenz ist ja gross und wie du selbst gesagt hast, kann man heute CBD fast überall kaufen.


J+R: In Sursee gibt es keinen Laden mit der hohen Qualität unseres CBD. Es ist sicher teurer als beim Grossverteiler, aber man merkt den Unterschied natürlich. Die hohe Qualität ist Voraussetzung dafür, dass die Kunden auch zufrieden sind damit. Unser medizinisches Hintergrundwissen hilft uns auch, die Kunden besser zu beraten als das bei einem Grossverteiler möglich ist. Wobei aber die Beratung keine echte Heilversprechen sein darf.

Wir verkaufen neben Blüten auch CBD-Öl, Kosmetika und viele weitere Produkte und bekommen immer wieder Feedbacks von Kunden, dass es ihnen bei medizinischen Problemen geholfen hat.



B: Könnt ihr von den Einnahmen aus dem Laden leben?


J+R: Wir sind beide zu 80 % bei einem Arbeitgeber angestellt und betreiben den Laden eigentlich als Nebenerwerb. Wir sind also nicht ganz so unter Druck damit und es ist fast mehr ein schönes Hobby.



B: Wie beratet ihr denn die Kunden, die wegen einem medizinischen Problem zu euch kommen? Was empfehlt ihr beispielsweise bei Migräne?


J+R: Wir dürfen keine explizite Beratung anbieten, denn das ginge unter Heilversprechen. Wir beraten und sprechen allgemein über Cannabis mit den Kunden. Doch sie müssen selber herausfinden, welches für sie die richtige Dosierung sein soll. Grundsätzlich ist sowieso zu sagen, dass es bei jedem anders wirkt. Der eine braucht fünf Tropfen, der andere zehn, es ist halt einfach ein Ausprobieren.





B: Besteht denn nicht die Gefahr einer Überdosierung?


J+R: Nein, man wird höchstens müde und entspannt und schläft länger als sonst. Es könnte bei einer Überdosierung auch Schwindel auftreten. Es gibt aber keinen Rausch wie mit einem THC-haltigen Hanf. CBD wirkt anders als THC - nämlich nicht psychoaktiv. Es kann bei einigen Personen aber durchaus ein körperliches 'High' spürbar sein.



B: Von was für Qualitätsunterschieden sprichst du? Ist euer CBD stärker und bekommt man gar einen Rausch davon?


J+R: Unsere Blüten werden in der Schweizer in Indoor-Anlagen von Hand angebaut. Es werden keine Pestizide oder künstliche Düngemittel verwendet. Durch den kontrollierten Indoor-Anbau können die Blüten bessere CBD-Werte aufweisen, denn sie unterliegen nicht Wettereinflüssen und so kann die Qualität gleichmässig gewährleistet werden.



B: Hattet ihr Probleme mit der Eröffnung des Ladens? Sursee ist ja eher eine ländliche Gegend wenn nicht schon fast provinziell. Das Thema Hanf wird doch immer noch ziemlich verteufelt?


J+R: Unsere Vermieterin hatte gleich zu Beginn grosse Freude mit unserer Idee. Das hat uns den Start sicherlich auch erleichtert. Dass wir nicht gerade handelsübliche Waren verkaufen, merkten wir schnell mal. Wir hatten beispielsweise Mühe beim Abschluss von Versicherungen, dem Eröffnen gewisser Konten und auch mit der Werbung auf Social-Media-Plattformen - weil diese nicht mit Hanf in Verbindung gebracht werden wollten.

Kunden die unser Geschäft betreten haben meist eine liberale Einstellung zum Hanf. Hin und wieder beobachten wir aber auch, dass Passanten beim Blick ins Schaufenster die Nase rümpfen.





B: Wer sind eure Kunden? Gibt es auch Leute, die THC-haltigen Hanf kaufen möchten?


J+R: Es kommen alle Altersgruppen zu uns. Junge Leute bevorzugen eher Blüten und ältere Leute, die nicht mehr rauchen möchten, nehmen lieber CBD-Öl. Die Akzeptanz ist sehr gross. Viele Kunden der älteren Generation erzählen im Laden Anekdoten und Geschichten aus ihrer Jugend…

Natürlich kommen ab und zu Leute, die richtiges Gras bei uns suchen. Aber wir bieten das selbstverständlich nicht an und hoffen, dass sie CBD bei uns kaufen. Es gibt auch langjährige Kiffer, die mit Hilfe von CBD auf den THC-Konsum verzichten oder ihn wenigstens reduzieren möchten.



B: Neben CBD-Produkten verkauft ihr auch "Dampfer-Zubehör. Kannst du mehr darüber erzählen und weshalb gehören diese Artikel in einen CBD-Laden?


J+R: Es gibt Liquids mit CBD und dazu braucht es natürlich ein Dampfgerät (E-Zigarette). Deshalb gehört das auch in unseren Laden. Besonders ist es geeignet für die Leute, die CBD nicht rauchen (verbrennen) sondern eben dampfen möchten.





B: Wie erklärt ihr euch den Hype um CBD? Ist es nicht so, dass CBD das Image eines Wundermittels für möglichst viele Erkrankungen hat und daher viele auch versuchen, in das Geschäft einzusteigen?


J+R: Hanf hat man schon vor 5000 Jahren in der Medizin eingesetzt. Noch vor 100 Jahren gehörte es hier im Westen zum täglichen Gebrauch. Es gab (und gibt) so vielfältige Anwendungen: Kleidung, Seile, Papier, Nahrung, Kosmetik und vieles mehr. Wichtig war für die Menschen die Wirkung der weiblichen Hanfblüte: nämlich für die Genesung und Unterstützung bei vielen Leiden.

Bis das Kraut dann mit Hilfe von grossen Lobbies verboten wurde. Es sei eine Droge und sehr gefährlich. Das war aber nur ein Vorwand für den eigentlichen Grund: die Wirtschaft hatte Angst. Denn war Hanf billig und es könnte das Abholzen von Tropenholz ersetzen, es könnte anstelle von Plastik benutzt werden aber auch als gesunden Nahrungsmittelzusatz eingesetzt werden. Damit hätten natürliche Kosmetikas produziert werden können. Interessant ist, dass man damit sogar einen alternativen Treibstoff entwickeln konnte. Wie es damals bereits Ford erfunden hatte: ein Auto mit Treibstoff hauptsächlich aus Hanf. Auch hatte damals die Pharmaindustrie kein Interesse daran. Es hätten weniger teure Medikamente verkauft werden können.


J: Also ich finde nicht, dass es ein Hype ist. Nein, es ist endlich an der Zeit, dass diese wunderschöne Pflanze ihre Daseinsberechtigung wieder erhält.




B: Woher bezieht ihr eure Produkte und insbesondere das CBD-Kraut? Kommt das aus regionaler und gar aus biologischer Produktion?


J: Die meisten unserer CBD-Produkte sind aus biologischem Anbau und unsere CBD-Blüten beziehen wir aus den Kantonen Solothurn, Zürich und bald schon auch aus Graubünden. Uns ist es wichtig, eine hohe Qualität anzubieten.

Weiter versuchen wir, vermehrt Produkte aus der Region anzubieten. Ein paar ausgewählte Produkte liefert uns eine Bauernfamilie aus Beromünster. Sie produziert mit viel Herzblut Salben, Tees, Kissen und vieles mehr aus ihrem Hanf. Viele Produkte beziehen wir auch aus Deutschland, weil der Markt in der Schweiz doch noch nicht so gross ist.



B: Ist heute eigentlich auch die Polizei da?


J+R: Keine Ahnung. Wir haben aber nichts zu befürchten. Wir verkaufen nur legales CBD, welches keinen Rausch verursacht. Wir distanzieren uns ganz klar vom Rauchen des THC-haltigen Hanfes - können aber natürlich nichts dagegen unternehmen.



B: Heute gibt es auch einen Wettbewerb, den sogenannten Jointbau-Contest. Das heisst, der originellste gebaute Joint gewinnt. Gemäss eurem Reglement darf in so einem Joint kein THC-haltiger Hanf drin sein. Wie kontrolliert ihr das? Raucht ihr die vorher?


J+R: Natürlich sollen die Joints ganz bleiben und die Teilnehmer nehmen sie wieder mit nach Hause (oder rauchen sie). Ob sie THC-haltig sind, kann man tatsächlich nicht kontrollieren. Es duftet genau gleich und auch der Geschmack ist derselbe. Man könnte höchstens eine Probe nehmen und dies mittels einem Schnelltest untersuchen. Den Aufwand betreiben wir aber nicht.



B: Wie ist der Contest verlaufen? Hattet ihr viele Teilnehmer?


J+R: Bis 17.00 Uhr haben vier Teilnehmer und eine Teilnehmerin ihre Joints eingereicht. Jeder Joint war für sich ein Kunstwerk. Ein sehr langer Joint, einen sehr dicken, einer hat ein Herz daraus gedreht, ein Joint sah wie eine Bong aus, sehr eindrücklich. Und gewonnen hat eine Frau, ihr Joint stellte ein Hanfblatt dar.

Wir liessen ab 17.00 Uhr alle Besucher am 4/20 Event abstimmen. Der Hanfblatt-Joint hatte eindeutig am meisten Stimmen bekommen.





B: Was passiert, wenn eines Tages der Zugang zum THC-Markt legalisiert würde? Was würde das für euer Geschäft bedeuten? Würdet ihr dann auch THC-haltigen Hanf verkaufen?


J: Wir haben keine Angst davor - im Gegenteil. Wir hoffen sogar auf die Legalisierung und mit dem heutigen Fest möchten wir auch einen Beitrag zur Öffentlichkeitsarbeit für den Hanf und gegen dessen Verteufelung leisten. Da ich in der Pflege arbeite (Dialyse) kenne ich sehr viele Patienten, denen THC-haltiges Medizinisches-Marijuana gut tun würde, sie kommen aber nur sehr schwer an ein ärztliches Rezept. Die erkrankten Menschen müssen sich sich dann den THC-haltigen Hanf auf dem Schwarzmarkt besorgen und machen sich in ihrer Verzweiflung strafbar.



B: Würdest du denn deinen Patienten empfehlen, Hanf zu konsumieren? Du hast ja gesagt, dass man beim Arzt für THC-haltigen Hanf sogar ein Rezept bekommen kann?


J: Auf jeden Fall. Bei Patienten mit sehr starken und chronischen Schmerzen, die schon alles ausprobiert haben und denen die Schulmedizin einfach nicht weiterhilft, würde ich das sehr empfehlen. Wie auch bei Spastiken, bei Krebs, pflegebedürftigen Personen in den Betagtenheimen u.v.m.

Die Möglichkeit besteht ja bereits seit einigen Jahren. Das Prozedere ist zwar ein kompliziert doch ein Versuch wäre es allemal wert.

Das Vorgehen für den Bezug von THC-haltigem Hanf ist beim Bundesamt für Gesundheit (BAG) genau beschrieben: https://www.bag.admin.ch/bag/de/home/gesetze-und-bewilligungen/gesuche-bewilligungen/ausnahmebewilligungen-verbotene-betaeubungsmittel/ausnahmebewilligungen-beschraenkte-medizinische-anwendung.html

Ich würde sogar soweit gehen, dass man zuerst versucht mit CBD Leiden zu lindern, ehe man zu schulmedizinischen Mitteln greift. So auch in öffentlichen Einrichtungen wie etwa in einem Pflegeheim. Die die ARD-Doku 'Cannabis im Altenheim' zeigt dies eindrücklich (https://www.ardmediathek.de/ard/player/Y3JpZDovL2Rhc2Vyc3RlL1dlbHRzcGllZ2VsLzA2MTAzNjE0NDM/)

Ich schätze jedoch, dazu braucht es noch ein langen Weg.



B: Gibt es noch ein Highlight oder eine Anekdote, die ihr aus dem ersten Jahr eures Geschäftes erzählen möchtet?


J: Die vielen schönen Begegnungen und spannenden Gespräche mit unseren Kunden machen immer Freude und zeigen uns, dass wir es richtig machen. Man spürt, dass die Menschen uns vertrauen. Sie sprechen offen über ihre Probleme und Sorgen. Indem sie uns ihr Vertrauen schenken, können wir ihnen auch weiterhelfen. Die grösste Freude und sehr eindrücklich sind aber die vielen Erfolgsgeschichten, wenn z.B. Menschen CBD den Alltag mit Schmerzen erleichtert - wenn man z.B. endlich die Migräne in den Griff bekommt oder wieder durchschlafen kann.






Mühleplatz 8

6210 Sursee

sursee@green-inca.com

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